Die Verehrung des Seth in Wüstenregionen
Die Orte und Gebiete, in denen Seth in Ägypten verehrt wurde, befinden sich sowohl im Osten wie im Westen jeweils am Rande der Wüste, und zwar meist dort, wo Karavanen-Routen ihren Ausgangspunkt nahmen. Sowohl Handel wie Kommunikation mit dem Ausland fanden vorwiegend über Karavanen-Routen statt, über die der ausländische Einfluss nach Ägypten gelangte und der daher, vor allem in seinen negativen Aspekten, mit Seth assoziiert wurde. Oder, wie unter den Hyksos und den Ramessiden, wegen seines Reichtums geschätzt wurde. Gerade in der Region mit dem größten internationalen Verkehr, im nordöstlichen Delta an der Grenze zu Arabien und Asien konnte im Neuen Reich die königliche Verehrung Seth’s gedeihen.
Doch auch die Karavanen, die gen Westen oder ins Landesinnere reisten, führten an Kult-Plätzen des Seth vorbei, z.B. am Westufer des Nils, nahe der Libyschen Wüste oder auch in die bekannteste Stadt des Seth: Ombos, oder Nubt, die „Goldstadt.“.
Ombos lag am westlichen Nilufer und war das Zentrum des V. Oberägyptischen Gaus, das am IV. Oberägyptischen Gau mit seinem Kult- und Machtzentrum Theben angrenzte.
Ombos war nicht nur ein wichtiger Knotenpunkt für die Karavanen nach Westen und nach Norden, sondern auch für jene, die ostwärts zogen. Am gegenüber liegenden östlichen Ufer des Nils lag der Ort Koptos, von dem aus die kürzeste Karawanenroute zum Roten Meer führte. Auf dieser Route gab es Goldvorkommen, weshalb Ombos auch Goldstadt genannt wurde.
Menschen, die aus der Wüste kamen, durch die Wüste gingen und wieder in diese aufbrachen, wurden in der ägyptischen Religion zu jeder Zeit mit Seth assoziiert, sowohl westlich wie östlich des Nils. Gerade auf dem westlichen Ufer, auf den nach Libyen abzweigenden Karavanenrouten hatte Seth eine starke Stellung. Die von Ombos nach Westen/Libyen führenden Routen passierten die mit Seth-Kulten assoziierten Oasen El Dhakle und El Kharga, während die Karawanenrouten aus Oxyrhynchos (im XIX. oberägyptischen Gau, genannt der „Gau der Wüste“) und aus Hypselites (der IX. oberägyptische Gau) die Oasen El Bahrije und Farafra ansteuerten. Bezeichnenderweise wurde auch der Widdergott Chnum, dem der XI. Gau unterstand, in Inschriften mit dem Seth-Tier bezeichnet. Und Oxyrhynchos stand sowieso mit Seth in Verbindung, weil er nach dem Osiris-Mythos den gefangenen Bruder an dieser Stelle ins Wasser warf oder ihn als besagter Oxyrhynchos-Fisch gefressen bzw. zerstückelt hatte

