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Reint Withaar – Das Spiel mit der Rahmung

Die Landschaft und die ländliche Idylle sind die Themen der Malerei Reint Withaars. Der 1928 in Amsterdam in den Niederlanden geborene Künstler hat hierin seine ganz spezielle und individuelle Malweise entwickelt, die sowohl großen Wert auf winzigste Details als auch auf eine stimmige Gesamtkomposition legen. Withaar verknüpft die künstlerischen Ausdrucksweisen Malerei und Zeichnung zu einer zarten Erscheinungsform, die eher aus dem Bereich der Aquarellmalerei bekannt ist. Doch Withaar gelingt es, auch die Ölfarbe in einer solchen Behutsamkeit auf die Leinwand aufzutragen, dass sie der Zartheit des Aquarells sehr nahe kommt. Zur Akzentuierung seiner landschaftlichen Szenerien hat sich Reint Withaar einen ganz besonderen Clou ausgedacht: Er versieht seine Gemälde mit einer breiten, flachen weißen Leiste, die wie eine Mischung aus Passepartout und Bilderrahmen wirkt. Doch um das Spiel der Mischformen noch weiter zu führen, belässt Withaar es nicht bei dieser Art von Rahmung, sondern er nutzt sie, um Elemente des Bildes darauf fortzusetzen. Bei dem Bild „Das Rotwild hat uns bemerkt“ etwa zeigt Withaar eine mit vereinzelten Bäumen versehene Wiesenlandschaft vor dem Hintergrund eines düsteren Waldes. Ein ebenso dunkler, Wolken verhangener Himmel verweist auf einen wolkenbruchartigen Regen oder ein Gewitter. Dennoch dringen Lichtstrahlen durch diesen blau-schwarzen Wolkenhimmel und scheinen die Wolkendecke aufreißen zu wollen. Dieser dramatischen Himmelsdarstellung, die durch den diagonalen Lichteinfall von rechts oben nach links unten dynamisiert wird, setzt Withaar eine weitere Diagonale entgegen: Denn er weitet die Darstellung der Wiese am linken Bildrand sowie an der rechten unteren Bildecke auf dem Rahmen-Passepartout aus und schafft somit eine weitere optische Bildachse. Dieser Gegenpol zur Diagonale im Bild verstärkt also die Dynamik des Gesamtbildes und hebt somit die Dramatik der Himmelssituation noch hervor.