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Weniger Chancen für Scharlatane in der Schönheitschirurgie

Beauty-Boom. Wer in einem boomenden Geschäftszweig einsteigt, kann im Prinzip nur Erfolg haben. Das gilt aber nicht für den „Beauty-Boom“, wo es trotz zweistelliger Steigerungsraten bereits zu einer Auslese kommt.
Die Schlagzeilen dürften vielen bekannt sein, dass sich in Düsseldorf der Inhaber einer Schönheitsklinik vor einigen Monaten das Leben genommen hatte. Auch ein Insolvenzfall ist inzwischen beim Amtsgericht Akten kundig.
Der Leiter der sehr erfolgreichen S-thetic Clinc in Düsseldorf-Kaiserswerth, Dr. Afschin Fatemi, kennt die Erklärung. „Der Markt ist überhitzt, und jetzt setzt sich eben die Qualität im Markt durch.“ Fatemi selbst hatte den Mut gleich vier Kliniken zu betreiben. Neben Düsseldorf behandelt er in Unna, Hamburg und München.
Die Finanzierung solcher Häuser, die selten eine Million Euro übersteigt wird meist von den traditionellen Ärztebanken vorgenommen, die natürlich sehr genau auf Businesspläne und Renditen achten. Offensichtlich ist für die Banken das Risiko nicht sehr groß.
Laut Dr. Fatemi gibt es aber auch andere Finanzierungsformen, bestehend aus Privatkapital von unterschiedlichen Anlegern, die an mondänen Standorten Kliniken errichten und dort die Ärzte als Angestellte arbeiten lassen.
Im Gegensatz dazu sind die Häuser der S-thetic Clinic Unternehmen, wo die Ärzte als Unternehmer arbeiten und allein schon deshalb auf höchste Qualität im sich verschärfenden Wettbewerb aus sein müssen. Für Patienten hat Dr. Fatemi auch eine Faustregel bezüglich der gebotenen Qualität zur Hand. „Dort, wo Spezialisten im Team zusammenarbeiten, ist der Patient viel besser aufgehoben als bei einem Arzt, der vorgibt alles zu machen und zu können“. Dr. Fatemi hat es sich zur Aufgabe gemacht, innerhalb der Standesorganisation dafür zu sorgen, dass es sehr bald einen geprüften und geschützten Facharzt-Titel für ästhetische Chirurgie gibt. Derzeit kann sich jeder Arzt so nennen und munter drauf los operieren - häufig genug zum Nachteil des Patienten.
Zuweilen treten nicht nur post-operative Komplikationen auf, sondern es passieren auch Kunstfehler, die den Patienten total verunstalten können. Dann haben die Gutachter das Wort, ob und in welcher Höhe Schadensersatzansprüche oder Schmerzensgelder anfallen. Wer nun denkt, dass es nach dem Sprichwort geht, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushacke, der irrt.
Dr. Fatemi sieht hier, durch den verschärften Wettbewerb, eher die Tendenz, sich mit Hilfe solcher Streitigkeiten der lästigen Konkurrenz zu entledigen.
Dr. Fatemi erzählt aus eigener Praxis, dass er einer Dame vor einiger Zeit am Bauch das Fett abgesaugt hätte. Zwei Wochen später stellten sich dann Beschwerden in einem Bein ein, weshalb sie dann einen Orthopäden aufsuchte statt sich umgehend nochmals in seiner Klink zu melden. Der Orthopäde legte dann einen Verband so falsch an, dass eine Arterie in der Kniekehle unterbunden wurde und es zur Embolie kam, mit der Folge, dass der Frau der Unterschenkel amputiert werden musste. Und wer sollte für den Schaden aufkommen? Dr. Fatemi wehrte sich gegen die Zahlung, nachdem er ein niederschmetterndes Gutachten auf den Tisch hatte, dass die von ihm vorgenommene Fettabsaugung ursächlich für die Amputation gewesen wäre. Ein schließlich vom Gericht eingesetzter Gutachter erkannte aber den Fehler des Orthopäden und Dr. Fatemi war rehabilitiert. Grundsätzlich besteht bei jedem medizinischen Eingriff ein gewisses Risiko. Die Ärzte müssen demnach ihrer Aufklärungspflicht nachkommen. Das gilt auch für den Beauty-Bereich, wo aber häufig genug mehr Erwartungen geweckt als erfüllt werden können. „Ein guter Chirurg muss auch Operationen ablehnen, wenn Risiken bestehen", so Dr. Fatemi.